Suchtarten

Cybersexuelle Abhängigkeit

In den Anfangszeiten der so genannten Internetsucht kamen die Betroffe-nen meist aus den Unterhaltungsbereichen wie chatten, Onlinespiele, usw. Heute ist deutlich zu erkennen, dass ein Großteil der Betroffenen auch nach Onlinesex, auch Cybersex genannt, süchtig ist. Gut 90 % der Onlinesüchtigen aus den Unterhaltungsbereichen bekennen sich auch dazu, mehr oder weniger oft Onlinesex zu haben.
Deutlich zu sagen ist hier jedoch, dass nicht jeder Onlinesüchtige zwangs-läufig auch onlinesexsüchtig sein muss.

Bei der cybersexuellen Abhängigkeit handelt es sich um geschriebene Wörter oder Bilder, die den Partner zur Selbstbefriedigung bringen sollen. Handlungsraum für dies ist zumeist ein Chatroom, in dem es auch private Räume gibt, in den nur eingeladene Gäste eintreten können und kein an-derer Einblick hat.
Auch das Runterladen von Sexbildern oder Sexvideos wird als Onlinesex betrachtet, da dies ebenfalls zur Selbstbefriedigung führt. Der Unterschied ist nur, dass beim Chatten ein Partner für die erotische Konversation vor-handen ist.
Betroffene Personen geben an, dass Cybersex leichter ist als realer Sex. Die Partnersuche wird erleichtert, da man im Internet zu jeder Zeit Perso-nen findet mit den gleichen Bedürfnissen. Im Internet kann man der beab-sichtigten Person sofort oder nur nach wenigen Minuten seine Absichten erläutern, was im realen Leben undenkbar wäre.
Der schützende Abstand zum Partner lässt auch die Auslebung sexueller Phantasien zu, die man mit dem realen Partner nicht wagen würde. Bei der Befriedigung durch den Mausklick können auch keine Beziehungs-probleme entstehen oder im Weg stehen. Wenn man Probleme mit dem Chatpartner hat, wechselt man diesen einfach und schnell.

Online Affären

Viele Menschen entdecken die Leichtigkeit, mit der man im Internet Leute kennen lernen und mit ihnen flirten kann. Anfangs ist dies zumeist nur Spaß und ein Zeitvertreib. Mit der Zeit kann dies jedoch zu einem ernst-haften Problem in der Beziehung führen.

Zuerst lernt man im Internet jemanden kennen, redet mit ihm über Ober-flächliches und belanglose Themen. Im Laufe der Zeit schenkt man dem virtuellen Gesprächspartner zunehmend mehr Sympathie und damit auch mehr Vertrauen. Die besprochenen Dinge sind schon persönlicher und würde man nicht mit jeder x-beliebigen Person besprechen. Der Chatpart-ner ist bereits zum Freund geworden und automatisch widmet man ihm mehr Zeit als anfangs. Oft muss man jetzt schon während des Alltages an diesen Internetpartner denken und würde gern mit ihm reden bzw. chat-ten. Dieses Gefühl verstärkt sich und es entwickelt sich gleichzeitig auch ein wenig schlechtes Gewissen gegenüber dem realen Partner. Plötzlich fordert man mehr Privatsphäre am Computer vom Partner und will nicht dabei gestört oder entdeckt werden.

Oft wird eine solche Internet-Affäre vor dem Partner verheimlicht, da es sich ja nur um eine virtuelle Beziehung handelt und es nichts Reales ist. Die meisten Betroffenen sehen dies als keine Affäre an, da es sich nicht im echten Leben abspielt und kein realer Kontakt aufkommt.
Solche Situationen kommen in einer Beziehung öfter vor als man denkt. Meist ist es auch nur vorübergehend und die virtuelle „Beziehung“ ist nicht von Dauer. Trotzdem kann es beim „betrogenen“ Partner schwere seeli-sche Schmerzen auslösen. Wie eine Affäre des Partners im echten Leben, treten schwere Beziehungs- und Eheprobleme auf.

Onlineshopping

Über das Internet kann man heutzutage alles kaufen, was das Herz be-gehrt. Fast alle großen Geschäfte haben auch einen Onlineshop. Man muss nicht mehr aus dem Haus gehen, um seine Einkäufe zu erledigen. Für viele Menschen ist dies eine sehr große Hilfe, doch für andere liegt hier der Kernpunkt ihrer Online-Kaufsucht.
Online Auktionshäuser wie eBay haben viele Kunden, die süchtig nach dem Sieg der Versteigerung sind.
Beim Bieten und Ersteigern verspüren diese Personen einen wahnsinni-gen Kick, ein absolutes Gefühlshoch. Es sind nicht die Produkte, die sie süchtig machen, sondern viel mehr diese emotionale Erfahrung, die sie für einen Augenblick haben.
In schweren Fällen teilt sich der Süchtige seinen Tag nach den Angeboten ein und hat immer im Kopf, wann welches Angebot endet. Meist sind sie in den letzten Minuten oder auch Stunden live dabei und versuchen noch als Letzter zu bieten. Es kommt große Verzweiflung auf, wenn man sich aus verschiedenen Gründen nicht bei einem dieser Auktionshäuser anmelden kann oder der Computer Probleme beim Starten aufweist. Der Süchtige kann nicht zum Endspurt des Angebotes gelangen und wird das Angebot-sende nicht miterleben können. Die Verzweiflung artet nicht selten in Ag-gressionen, Schreien, Weinen und absoluter Hilflosigkeit aus.
Zumeist führt diese Sucht zu großen finanziellen Problemen und Ver-schuldungen. Es werden oft Hypotheken oder Darlehen aufgenommen, um die Sucht finanzieren zu können.

Onlinespielsucht

Diese Onlinesuchtart kann man wieder in zwei Arten aufteilen. Einmal wä-ren da die Internetcasinos – Internet Gambling, und einmal die Rollenspie-le wie „World of Warcraft“ – Internet Gaming.

Ähnlich wie bei der Online-Kaufsucht, sind die süchtigen Online-Gambler besessen darauf, ein Spiel zu gewinnen. Die Onlinespielsucht unterschei-det sich nur im Handlungsraum von der realen Spielsucht. Bei der realen Spielsucht geht man persönlich ins Casino und kommt auch mit Personen in Kontakt. Bei der Online-Variante kann der Spieler von zu Hause aus spielen und sein Geld setzen, das beim näheren Betrachten fast noch et-was gefährlicher ist. Zu Hause am Computer verliert man schneller den Überblick über das verlorene Geld, es wird vom Konto abgebucht und der Süchtige selbst muss nicht zuerst zur Bank, um das Geld zu holen, das er verspielt. Es verschwindet still und heimlich und führt ebenfalls zur hohen Verschuldung.

Onlinespiele wie zum Beispiel „World of Warcraft“ oder „EverQuest“ sind Rollenspiele, in denen man sich zumeist in eine Identität aus Kriegern ver-setzen muss. „World of Warcraft“ ist derzeit das bekannteste und auch beliebteste Onlinespiel. Für das Spiel muss man monatliche Gebühren von zirka 13,00 Euro bezahlen und es sind über 10.500 Leute weltweit angemeldet. Die meisten Spieler sind Jugendliche, deren Eltern sehr be-sorgt sind, da sie ihre Kinder nicht mehr vom Monitor weg bekommen. Die Spieler sind in Gruppen eingeteilt und sind so gezwungen, bestimmte Zei-ten online zu sein und sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Man kann sich „rauf spielen“ in eine höhere Gruppe und hat somit mehr Macht und mehr Rechte. Dafür muss der Spieler sich aber immer mehr und mehr mit dem Spiel abgeben.
Und genau dies ist der springende Punkt bei diesen Onlinespielen, um besser zu werden, muss man den Großteil seiner Zeit online sein und spielen.
Wenn man einmal eine höhere Gruppe erlangt hat, will man auf keinen Fall mehr einen Rückfall in Kauf nehmen und so steigern sich die Spiel-stunden.

Mitbetroffenheit

Die Mitbetroffenheit trifft den Familienkreis und Freundeskreis des Inter-netsüchtigen.
Die Mitbetroffenheit entsteht, wenn man mit einem Süchtigen in enger Be-ziehung steht und zusehen muss, wie sich die geliebte Person immer mehr verändert und sich selbst zerstört.
Die Personen verstricken sich immer mehr in die Sucht des anderen, in-dem sie versuchen, den Süchtigen zu überzeugen, dass sein Verhalten falsch und gefährlich ist. Hilflos kommt man sich vor und weiß nicht, was man noch alles versuchen soll, den Süchtigen zurück auf den richtigen Weg zu bringen.

Der Gedanke, wie man den Betroffenen helfen kann aus seiner Sucht heraus zu kommen, beschäftigt die angehörige Personen den ganzen Tag.
Genau an dem Punkt betrifft die Sucht einer Person auch Menschen in seiner Umgebung. Die mitbetroffene Person kann genauso an nichts an-deres mehr denken und das bringt auch seinen Alltag extrem durcheinan-der. Auch hier sind Leistungsabfälle zu verzeichnen.
Doch mit dieser Hilfsbereitschaft erreicht man in der Regel das genaue Gegenteil. Der Süchtige fühlt sich bedrängt, ignoriert die hinweisenden Worte und kapselt sich immer mehr ab. Bei dem Beispiel, einen Alkoholi-ker oder Drogenabhängigen davon zu überzeugen, dass sein Verhalten falsch ist, versteht man vielleicht leichter, dass die gut gemeinte Umsorge sinnlos ist und den Süchtigen meist in die andere Richtung drängt.
Genau so schwer wie für einen Anhängigen sich sein Problem ein zuge-stehen, ist es für den Co-Abhängigen einzusehen, dass seine Versuche im besten Fall nichts bewirken. Die Hoffnung stirbt wie bekanntlich ja zu letzt. Auch wenn der Süchtige dem Co-Abhängigen aus Liebe verspricht, seine Sucht in den Griff zu bekommen, ist ein Rückfall mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sicher, da der Süchtige es nicht zu seinem eigenen Wohl möchte, sondern für das des anderen.
Die Co-Abhängigkeit hört meist erst mit der erfolgreichen Bekämpfung gegen die Sucht des Süchtigen selbst auf, wobei die Angst eines Rückfal-les der Person noch weiter lebt.

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